Glockenturm in Iggelbach

DER GLOCKENTURM IN IGGELBACH
 
DER „IGGELBACHER GLOCKENKRIEG“
Um den Glockenturm in Iggelbach gab es vor seiner Errichtung 1900 großen Wirbel. Ist er heute das Symbol des 100-jährigen Dorffriedens, so war er zum Zeitpunkt seiner Errichtung der Grund für einen großen Streit zwischen Ober- und Unterdorf, zwischen dem Holzhauerverein und dem aus ihm als Nachfolgeorganisation hervorgegangenen Glockenverein, kurz gesagt: „Iggelbacher Glockenkrieg“(1886-1889).
DIE GROSSE DISKUSSION
Die Diskussion wurde durch die Frage nach der Verwendung des Kassenbestands der Holzhauerkasse entfacht. Diese wurde durch die gesetzliche Krankenversicherung ersetzt und zahlte lediglich das Sterbegeld aus. Da man den Restbestand von 3003 Mark nicht wieder unter den Einzahlern aufteilen konnte, denn es wohnten nicht mehr alle in der Gemeinde, musste entschieden werden, wo das Geld gebraucht wurde.  
Die Mehrheit stimmte für die Anschaffung eines mehrglockigen Geläuts, bislang gab es nur eine Glocke auf dem Schulgebäude. So wurden 2100 Mark verwendet, um zwei neue Glocken bei der Gießerei Pfeiffer in Kaiserslautern gießen zu lassen. Diese wurden jedoch auch nach mehrmaligem Aufruf des Glockenherstellers nicht abgeholt, denn der mit der Bestellung beauftragte Herr Kraus hatte „keine Zeit“ und fühlte sich nicht in dieser Angelegenheit zuständig.
 So kam es, dass Theobald Asel und Jakob Perreth am 24. Juli 1894 zufällig in Kaiserlautern bei der Glockengießerei auftauchten und später den Transport der Glocken bewerkstelligten.
 
Ist er heute das Symbol des 100-jährigen Dorffriedens, so war er zum Zeitpunkt seiner Errichtung der Grund für einen großen Streit zwischen Ober- und Unterdorf (…)
 
 
 
 
 
NOCH LANGE NICHT AM ZIEL...
Nun gab es aber weitere Diskussionen über den Standtort des neuen Glockenturms. Als potenzielle Bauplätze kamen die Dorfstraße oder ein Platz auf „dem Schloß“ infrage. Die entscheidende Versammlung hierfür fand am 12. August 1884 statt und es wurde entschieden, den Turm auf „dem Schloß“ zur errichten. Auf den einen Streit folgte der nächste. Das Bauholz wurde nach langem Hin und Her bei zwei Mitgliedern des Holzhauervereins gelagert, wo es durch einen Hausbrand zerstört wurde. Des Weiteren rückte Kraus, der das angesparte Geld des Vereins verwaltete, bis zum Prozessende nicht mit dem Restbestand heraus. Daraufhin rief Jakob Perreth erneut eine Versammlung ein, aus der ein mündiger Beschluss zusammenkam: der bisherige Holzhauerverein wird zum Glockenverein umfunktioniert und es werden Mitgliedsbeiträge erhoben. 1896 wurde der Verein gerichtlich anerkannt.  
Als schließlich die Schuhausglocke 1986 einen Sprung bekam, ließ sie der neue Glockenverein umgießen. Dabei wurde die Glocke einen Zentner schwerer. Wem gehörte sie nun?  
Im Juni 1899 hatte ein Gericht über die Angelegenheit entschieden. Beide Vereine hatten die Glocken beschafft, somit gehörte sie auch beiden. Daraufhin nannten sie sich HolzhauerGlockenverein. Nach dem Vergleich wurde umgehend mit dem Glockenturmbau begonnen.
ENDE GUT, ALLES GUT.
1900 war es dann endlich so weit: der Glockenturm war in voller Pracht errichtet, die Glocken mussten nicht mehr im Freien läuten und der Dorffrieden war wieder hergestellt. Auf der Turmtür ist das Baujahr eingraviert und auf einem Schild steht „Historischer Glockenturm des ehemaligen Holzhauer-Glockenvereins Iggelbach“. Der Turm wurde zunächst einstöckig aufgeführt und mit einer Fachwerkkonstruktion ergänzt. Für die Glocken war eine enge Glockenstube gebaut worden. Später wurde das Türmchen in Massivbauweise aufgestockt und mit einer Turmuhr und Schlagwerk ergänzt.  
Alle Glocken wurden für Rüstungsszwecke im Ersten Weltkrieg abgegeben, welche aber durch eine neue Glocke in der Nachkriegszeit ersetzt wurden. Nachdem 1931 am gegenüberliegenden Hang die protestantische Kirche gebaut worden war, wurden Glocke und Uhr des Turms zur alten Holzkasse gebracht. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges musste schließlich auch diese letzte Glocke abgegeben werden.
Heute besitzt der Glockenturm von Iggelbach wieder ein neues Geläut, das aber nur zu besonderen Anlässen seinen Nutzen findet (Bsp. 100-jähriges Jubiläum des Turmes im Jahre 2000).
Zusammenfassung von Milena Hook, 2016
Literaturverzeichnis: Elmsteiner Heimatschriften

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